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"April April!!!"

Nein, kein Scherz. Der Newsletter meldet sich nach längerer Abstinenz wieder zurück!

Der neuverfasste Artikel "Vom Kultgegenstand zum Menschen Benvenuto Cellini" hat wohl doch etwas länger Zeit in Anspruch genommen, ist dafür sehr interessant.

Außerdem haben wir entschlossen den Newsletter "unregelmäßig" erscheinen zu lassen, bzw. uns mit den Berichten etwas mehr Zeit zu lassen, um unseren Lesern somit qualitativ noch hochwertigere Berichte liefern zukönnen.

Jetzt aber erst mal viel Spaß beim Lesen!

Markus Flinzner-Heidecker (Webmaster)





"Benvenuto Cellini"

Ich dachte mir das so einfach: "Mal eben das Leben eines Goldschmieds aus der Zeit der Renaissance zu beleuchten". Ich durchstreifte das Internet um geeignetes Material zu seinem Leben zu finden und stellte fest, dieses Material ist einfach zu subjektiv, als dass ich mir eine Meinung zu diesem Menschen bilden könnte.

In einem alten Fachkundebuch für das Edelmetallgewerbe von 1959 begegnete mir folgender Abschnitt:

[...]Benvenuto Cellini
Er war einer der bedeutendsten Schmuckkünstler der Renaissance. Von seiner Hand stammt ein Handbuch der Goldschmiedekunst, das uns interessante Aufschlüsse über die Technik der Goldschmiederei im 16. Jhd. vermittelt hat. Seinen Lebenslauf hat er selbst niedergeschrieben und Wolfgang v. Goethe hat dieses Buch ins Deutsche übersetzt.
Cellini wurde 1500 in Florenz geboren. Nach Erlernung des Goldschmiedehandwerks hat er ein unstetes Leben voller Händel und Streit mit seinen Mitmenschen geführt. Einige Zeit stand er in Diensten bei Papst Clemenz VII. in Rom. Auch dessen Nachfolger Paul der III. begünstigte ihn anfänglich, setzte ihn aber später wegen der Anschuldigung, 80.000 Dukaten unterschlagen zu haben, ins Gefängnis. Erst durch Fürsprache Franz des I. von Frankreich wurde er befreit und ging 1540 an den Hof von Paris. Hier fertigte er eine Statue des Jupiter, die er aber nicht goss, sondern in Silber trieb. Infolge zahlreicher Feinde verließ er aber Paris nach vierjährigem Aufenthalte und kehrte nach seinem Geburtsorte zurück. Mit 58 Jahren wurde er Priester, trat aber nach einigen Jahren wieder in den weltlichen Stand zurück und verheiratete sich. Am 14. Februar 1571 ist er gestorben[...]

Das klang so objektiv und gleichzeitig um den skandalösen Brei herum, dass ich ganz unruhig wurde. Goethe hatte die Autobiographie übersetzt? Ein Italien- und Menschenkenner übersetzte bestimmt nichts Belangloses von belanglosen Menschen. Es musste sich also lohnen die Lebensgeschichte des Benvenuto Cellini zu lesen.
Ich bestellte mir also die Goetheversion und mein Mann die moderne Übersetzung, eine weise Tat, denn ich entschied mich diese in Angriff zu nehmen, da die Ausdrucksweise hier ein wenig gestrafft wurde und somit leichter zu lesen ist, was jedoch durch die Fußnotenlastigkeit in Bezug auf Orte, Personen und geschichtliche Hintergründe hier locker wieder ausgeglichen wird. Goethe geht am Schluss noch auf einzelne Künstler aus dem Umfeld Cellinis ein und beschreibt einzelne Goldschmiedetechniken. Beide Bücher geben so noch zusätzliche Informationen und ergänzen sich auf diese Weise.

Benvenuto Cellini wurde im Jahre 1500 in der Nacht nach Allerheiligen geboren. Seine Mutter Elisabetta hatte nach18 Jahren Ehe zwei Totgeburten . Es folgte ein Mädchen namens Cosa und schließlich der Held unserer Geschichte. Entsprechend der Umstände der Schwangerschaft erwartete man eigentlich wieder ein Mädchen. Umso überraschter war Vater Giovanni, als ihm die Hebamme den kleinen Sohn in die Arme legte.
"Herr ich danke Dir von ganzem Herzen! Dieser Sohn ist mir sehr lieb, er sei benvenuto!" (willkommen), waren seinen Worte. Alle Anwesenden wunderten sich sehr aber bei diesem Namen blieb es.

Giovanni Cellini war Architekt, Ingenieur und Musiker und Instrumentenbauer. Er arbeitet für den Fürstenhof in Florenz. Die Sache mit der Musik trieb ihn vorübergehend in die Arbeitslosigkeit, weil er seine handwerklichen Künste vernachlässigte. Musik versetzte den Vater Benvenutos in so große Leidenschaft, so das der Sohn von Kindesbeinen an das Flötenspiel erlernen musste, denn angeblich hatte er großes Talent. Zähneknirschend ergab sich das Kind in sein Schicksal.

Mit 15 suchte er sich, sehr zum Verdruss des Vaters, eine Lehrstelle in einer Goldschmiedewerkstatt. Er sollte zum Ausgleich weiter musizieren. Dies ging noch einige Jahre so. Benvenuto hatte großen Respekt vor dem Vater aber die verschwendete Zeit am Instrument machte den jungen Mann unwirsch und trug so zur Ausprägung eines unbeherrschten Charakters bei. Mit 16 wurde er gemeinsam mit seinem um 2 Jahre jüngeren Bruder Francesco zum ersten Mal straffällig. Die beiden wurden für ein halbes Jahr aus Florenz verbannt, weil Brüderchen in einem angezettelten Streit den Gegner verletzte und selbst nur knapp einer Steinigung entkam, Benvenuto zufällig vorbeikam, ihn vor den Verwandten des Gegners schützte und dabei gleichzeitig ordentlich austeilte. Die Gegenseite wurde nebst Angehörigen auf Jahre aus der Stadt verwiesen.

Es begann ein abenteuerliches Leben zwischen Werktisch, Reisen, Intrigen, Krankheit und Mord. Man weiß im Grunde gar nicht wo man anfangen soll, will man den Menschen Benvenuto Cellini begreifen.
Er lernte wie besessen. Er zeichnete monatelang nur, bevor er edles Metall anrührte. Dies war übrigends in den Werkstätten bis Anfang des 20. Jahrhunderts üblich damit der angehende Goldschmied Gefühl für Formen und Entwurf bekam. Cellini hatte verschiedene Lehrmeister in Florenz Siena und schließlich Rom. Bald erfreute er sich großer Bekanntheit in adligen Kreisen, fertigte Schmuck und Gefäße für den Klerus.
Benvenuto war sehr zielstrebig und selbstbewusst. Selbstzweifel bezüglich seines Könnens kannte er nicht. Früh fing er an Werkstätten und Meister zu kritisieren und stellt sich selbst ins beste Licht.
Allgemein befanden sich alle Künstler und Handwerker dieser Zeit in ständigem Wettbewerb. Man war abhängig von prunksüchtigen Höfen, Bischöfen, Kardinälen und Päpsten. Die hohen Herren und Damen warben sich gegenseitig die Besten weg, um Statussymbole anzuhäufen. Es wurde Vorbildern der Antike nachgeeifert, sowohl künstlerisch, als auch was Machtspiele und Intrigen betraf. Es entwickelte sich der so genannte Manierismus, will heißen bei der Gestaltung eines Schmuckstückes oder Tafelgerätes z. B. warf der Meister jeweils sein ganzes Können in die Waagschale. Je schwieriger und üppiger, desto besser. Cellini fertigte auch Siegelringe in Stahl an. Stahlschmuck ist also nichts hochgradig Neues.

Benvenutos Aufstieg war unaufhaltsam. Wurde ein größerer Auftrag in Aussicht gestellt: Er bekam den Zuschlag, weil seine Modelle, meist in Wachs schon so üppig gestaltet waren, das sich keiner die Verwirklichung in Metall vorstellen konnte. Da ihm dies jedoch immer gelang, wurde er für die Obrigkeit so wertvoll, daß er so mancher Strafe entging, darunter auch der Todesstrafe, als er seinen Bruder rächte, der inzwischen Soldat in Rom war. Francesco selbst zog auf die Straße ins Getümmel um den angeblichen Tod eines jungen Mannes zu vergelten, den er selbst im Waffenhandwerk ausgebildet hatte. Er zog gegen schwer bewaffnete Wachleute los und erhielt einen Arkebusenschuß ins Bein. Die Verletzung raffte ihn dahin und versetzte Bruder Benvenuto in Zorn. Der Schütze war ihm bekannt. Er lauerte ihm in einer Nacht auf als dieser gerade das Haus einer Prostituierten verließ und stieß einen Dolch in des Opfers Nacken. Des Papstes Kommentar, dem die ganze Geschichte und auch Benvenutos Gemütszustand bekannt war, war nur: " Benvenuto, jetzt wo du geheilt bist, kümmere dich um dein Leben! "
Er stand der Münzerei des Papstes vor und fertigte eine zeitlang alle Prägestempel an, nachdem er sich mit aller List und Ehrgeiz um diesen Posten beworben hatte. Er verdiente zu dieser, ich sage mal Blüte seiner Karriere sehr viel Geld aber er war auch ein schlechter Geschäftsmann, denn später war er als Künstler zwar nach wie vor hoch angesehen, wurde aber oft um seinen Lohn geprellt und verstand es nicht diesen einzutreiben, oder aber versprach den jeweiligen Auftraggebern für deren Ruhm zu arbeiten und Ihnen zu dienen, erwartete eigentlich, vernünftig bezahlt zu werden, doch man hielt sich dann großzügig finanziell bedeckt. Zudem hatte sich Benvenuto andere Mitglieder seines Berufstandes auf Grund seiner Großspurigkeit zu Feinden gemacht. Diese verdarben ihm oft den Arbeitsalltag durch Intrigen . Er hatte Probleme Räumlichkeiten für seine, oft groß angelegten Skulpturen zu erhalten, trotz Auftragserteilung seitens des Königs von Frankreich Franz I z. B. oder Cosimo I. von Florenz für den er nach seiner Rückkehr aus Frankreich die berühmte Statue des "Perseus" in Angriff nahm, sie aber erst nach neun Jahren fertig stellte.

Der Goldschmied Cellini hatte ein Hobby: Die Jagd. Er liebte Waffen und den Umgang damit. Doch nicht nur Ausritte und die Jagd auf die Tiere des Waldes zur Entspannung faszinierten ihn, sondern auch die Jagd auf den Menschen, als Rom 1527 von den Spaniern belagert wurde. Sein Lebensbericht artet hier zwar in übertriebenem Heldentum aus bezüglich seiner eigenen Rolle als Kanonier in der Engelsburg, als es darum ging Papst Klemens VII. zu verteidigen. Doch er zeigt hier deutlich seine Lust, Menschen gezielt zu töten und spricht davon mit der gleichen Intensität wie von seiner Arbeit als Handwerker.

Die Engelsburg wird Benvenuto 1537 zum Verhängnis. Ein Geselle schwärzt ihn an, er hätte päpstliche Wertgegenstände im Wert von 80.000 Scudi ( damalige italienische Währung) veruntreut, bzw. nicht zurückgegeben. Er wird angeklagt, weist seine Unschuld nach und wird dann doch festgesetzt, weil er angeblich bei einem Taubenschießen mit Freunden absichtlich auf eine Kardinal aus der Nachbarschaft gezielt hätte. Er entflieht, erhält Hilfe seitens eines Kardinals, der ihn jedoch wieder an den Papst überstellen lässt, damit ein Verwandter einen Bischofssitz erhält.
Unser Held hatte noch eine Pferdefuß: Er hat noch mehrmals eingesessen oder Prozesse führen müssen, wegen Homosexualität oder unüblicher sexueller Praktiken. Aus Andeutungen in seiner "vita" lässt sich eine Vorliebe für sehr junge Männer und natürlich auch sehr schöne Frauen herauslesen, wobei ich fast der Meinung bin, es waren auch adlige, Verheiratete dabei. Er holte sich in jungen Jahren die Syphilis und verbannte sie rosskurartig wieder aus seinem Körper. Er verliebte sich in eine Frau, die Ihn wieder verließ, um an anderer Stelle unter der Führung ihrer Mutter als Prostituierte zu arbeiten. Er bemühte okkulte Praktiken in nächtlichen, geheimen Zusammentreffen mit einem ketzerischen Priester, um seine Herzensdame wieder zu finden. Er fand sie tatsächlich. Wie lange er noch mit ihr verkehrte wird nicht ganz klar.
Er hatte einen unehelichen Sohn, den er mal besuchte, als dieser im Kleinkindalter war. Dieses Treffen beschrieb er als sehr positiv, doch als er nach Florenz zurückkehrte hatte die Mutter des Jungen nichts Besseres zu tun, als ihr Kind zu ertränken.
Hier erleben wir Cellini tief getroffen und verzweifelt.
Sein künstlerischer Stern sinkt langsam. Er erhält die ersten Priesterweihen, gibt sie aber wieder zurück um doch noch eine Familie zu gründen.
Seine "Vita" endet plötzlich mit der letzten Notiz über das Jahr 1562. Man nimmt an, das der Text ursprünglich länger war und politisch bedenkliches Material enthielt, welches Cellini selbst zum Schutz seiner Familie vernichtet hat.



Dieser Artikel ist nicht chronologisch zu sehen, sondern behandelt verschiedene Aspekte des abenteuerlichen Lebens des Goldschmiedes Cellini. Sein Leben war sehr bewegt. Er stürzte sich geradezu hinein und nahm sozusagen mit, was er kriegen konnte beruflich und menschlich. Er geizte nicht mit seiner Meinung. Das trug ihm Bewunderung und Hass ein. Doch lest selbst, wenn ihr mögt.

Inge Heidecker



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Termine



Düsseldorf:

Hetjens- Museum/ Deutsches Keramikmuseum
Schulstraße 4

"Ceramic Jewellery on the body"

noch bis 30.05.2004
Infos unter: www.duesseldorf.de/hetjens




Darmstadt:

Institut Mathildenhöhe
Olbrichweg 13

"Darmstadt 1904- Ausstellung der Künstlerkolonie"

noch bis 20.06.2004
Infos unter: www.mathildenhoehe.info




Frankfurt:

Museum für angewandte Kunst
Schaumainkai 17

"Europäische Goldschmiedearbeiten 1560- 1860

noch bis 01.08.2004
Infos unter: www.museumfuerangewandtekunst.frankfurt.de




Hanau:

Deutsches Goldschmiedehaus
Altstädter Markt 6

Gold, Silber, Architektur und Industrialisierung

noch bis zum 25.04.2004
Infos unter: www.museen-hanau.de





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Die Goldschmiede Heidecker
Goldschmiedemeisterin Inge Heidecker
Kur-Kölner-Straße 24

57632 Burglahr

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Quellen

- GZ, die Goldschmiede-Zeitung
- Die Steinheilkunde
- Cellini - Mein Leben
- Goethe - Das Leben des Benvenuto Cellini



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